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FALLSTUDIEN/NEW BUSINESS - 08.01.2020, 11:16 Uhr

„Made in Fukushima“

Ein in jeder Hinsicht eindrucksvolles Buch dokumentiert die Katastrophe und gleichzeitig die hervorragende Arbeit zur Dekontaminierung in Fukushima direkt auf dem Reisstroh, das in dieser Region gewonnen wurde.

In der Erinnerung scheint es erst gestern gewesen zu sein als der Tsunami das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi traf und eine Kernschmelze auslöste. Tatsächlich war es der 11. März 2011. Damals wurde sehr viel mehr zerstört als nur vier Reaktorblöcke. Mehr als 100.000 Einwohner mussten das Gebiet verlassen. Mehr als 25.000 Hektar Ackerland wurden verseucht. Die Langzeitfolgen für Mensch und Umwelt sind bis heute kaum abzuschätzen.


Seit März 2017 gilt Fukushima als wieder bewohnbar. Und auch in der Landwirtschaft geht es bergauf. Die Umwelttechnik-Spezialisten von Meter haben zusammen mit Dr. Masaru Mizoguchi von der Universität Tokio und der Non-Profit-Organisation Fukushima Saisei eine Dekontaminationsmethode entwickelt, welche die Menge an radioaktivem Abfall um 95% reduziert. So kann mittlerweile tatsächlich absolut sicherer Reis angebaut werden. Doch trotz dieses konkret messbaren Erfolgs sind die Menschen stark verunsichert. Sie fürchten sich vor den möglichen Konsequenzen kontaminierte Lebensmittel zu konsumieren. Das Vertrauen in Wissenschaft und Technik ist erschüttert. Obwohl der Reis die strengsten Tests besteht, kauft ihn niemand.

Damit die Fakten für die Menschen greifbar werden, wurde in Zusammenarbeit zwischen Meter, der Kommunikationsagentur Serviceplan Innovation, dem Digital Design Studio Moby Digg sowie dem Fotografen Nick Frank ein ganz besonderes Buch entworfen und von der Druckerei Vogl produziert. “Made in Fukushima” erzählt die Geschichte der Region, der Katastrophe, der Bauern und ihrer Produkte direkt auf dem Reisstroh, das von den dekontaminierten Feldern in Fukushima stammt. Dazu wurden die Reisstrohhalme getrocknet, gereinigt, geschnitten und von Papierherstellern aus Fukushima und Gmund Papier verarbeitet. Es entstand ein wirklich einzigartiges Papier, das einen sichtbaren Teil Reisstroh enthält, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.


Das Buch selbst verbindet auch in der Gestaltung das traditionelle Japan mit modernem Design. Komplexe Daten wurden mit verschiedenen Techniken visualisiert und so in verständliche Informationen übersetzt. Als wissenschaftliches Sensorikunternehmen, das seit 1996 in Fukushima präsent ist, hat Meter direkten Zugang zu vielen Umwelt- und Agrardaten, die in das Buch aufgenommen werden konnten. Im Laufe monatelanger Forschung wurden weitere Daten zu Wissenschaft, Demographie, Wirtschaft und Ökologie gesammelt. Seiten mit Fotosequenzen aus Fukushima wurden zudem mit japanischer Bindung gebunden, wodurch innenliegende Flächen entstanden, die verwendet wurden, um die Strahlung an den Orten zu zeigen, an denen die Fotos aufgenommen wurden.

Die Fotos wiederum erzählen neben den Interviews und Reportagen die Geschichte hinter den Daten. Sie zeigen eindrücklich die völlige Verwüstung, die Geisterstädte, die bis heute unbewohnt bleiben mussten, und das Leben der Bauern in ihrem Versuch, dem Land neues Leben abzuringen, den Boden wieder fruchtbar zu machen.

Fakten
Rohstoff: Reisstroh aus Fukushima
Papierherstellung – Gmund
Druck: Druckerei Vogl (www.druckerei-vogl.de)
Head of Print Production: Robert Kaminski – Serviceplan Solutions
Video: vimeo.com/336274986

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